Argentinischer Tango - ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann

Der Tanz ...

Wie kein anderer Tanz inszeniert der Tango persönliche Identität, soziale Codes, kulturelle Klischees und das Spiel mit Verlangen und Verführung. Tango argentino ist sowohl "getanzte Leidenschaft" als auch Sinn­lich­keit und Tem­pera­ment zugleich.

Anselmo Rosendo Mendizábal, der Komponist des ersten als Tango bezeichneten Musikstücks (21.04.1868 bis 30.06.1913)

... und seine Geschichte

Die Herausbildung des Tangos begann im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in Buenos Aires. Wir schreiben das Jahr 1855 bis 1880. Nach Beendigung des Krieges gegen Paraguay 1876 setzte ein großer Einwandererstrom aus Europa vornehmlich auf dem lateinamerikanischen Kontinent ein.

Die Hafenstadt Buenos Aires war für die meisten Emigranten erster Anlaufpunkt und Zufluchtsort. Nahezu die Hälfte der Zuwanderer stammte damals aus Italien. Die Neuankömmlinge siedelten mit Zuwanderern aus anderen europäischen Ländern in den ärmlichen Vororten der Hafenstadt in sogenannten Mietskasernen, den Conventillos und es entstand ein multiples Nationalitätengemisch.

Die Folgezeit brachte für Argentinien einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, was jedoch auch zur Verschärfung der Klassengegensätze führte.

Musikalisch gesehen bot sich eine immense Vielfalt: Polkas, Mazurkas, Walzer, Xotis, Kontertänze und Varianten sowie kubanische Musik und die argentinische Musik der Pampas und deren urwüchsiger Viehhirten. In diesem Umfeld formte sich der Tango.

Die Zeit zwischen 1880 und 1917 wird als die Epoche der Guardia Vieja (Alte Garde) bezeichnet. Von den ca. 30 namhaften Musikern dieser Zeit sind kaum biographische Einzelheiten bekannt. Die meisten entstammten bitterarmen Einwandererfamilien und konnten durch ihre Musik ein bescheidenes Auskommen erreichen.

Der Tango ist in seiner Ausdruckskraft alles zugleich: Verheißung, Illusion, Melancholie, Liebe und Haß. Um die Jahrhundertwende war er der Tanz der Zuhälter und Dirnen in den Kneipen von Buenos Aires, weshalb er in den gehobeneren Bevölkerungsschichten nicht als gesellschaftfähig angesehen wurde.

Seine eigentliche Urform ist die Habanera des 19. Jahrhunderts, ein afrokubanischer, gemäßigter Tanz im 2/4Takt, benannt nach der Hauptstadt Havanna, bzw. der Tango Andaluz, der Candombe und die Milonga. Die Habanera wurde in Spanien Americana genannt.

Kurz nach der Jahrhundertwende gab es einen weitgehenden Tango-Musizierstil.

Internationale Durchschlagskraft erreichte der Tango 1905 als Tango argentino. Es begann der Siegeszug in Europa, zunächst in Paris. Dort wurde durch den Einfluß verschiedener Tanzlehrer aus dem argentinischen Volkstanz ein Gesellschaftstanz. 1907 fand das erste erfolgreiche Tangoturnier in Nizza statt. Gleichzeitig mit dem Tango wurde die brasilianische Maxixe propagiert.

Es fehlte nicht an staatlichen und kirchlichen Verboten gegen diese "unschicklichen Negertänze", was auf die engumschlungene Tanzhaltung und die teilweise obszönen Bewegungen zurückzuführen war. Dennoch eroberte der Tango bis 1912 alle europäischen Zentren, und es wurden verschiedene Tango-Moden, Tango-Frisuren usw. kreiert. Die lange Damengarderobe erhielt einen langen Schlitz, der das Bein freilegte - eine Notwendigkeit, um die Tanzschritte ausführen zu können.
Nach dem 1. Weltkrieg erschien in Europa der Tango wieder, aber in stark veränderter Form. Er war liedhafter, einfacher und langsamer im Tempo, man sprach von Tango milonga, es entstand eine typisch mitteleuropäische Variante.
1922 wurde in England eine Standardisierung der Schritte angestrebt, schließlich erklärte man 1929 Schrittkombinationen für verbindlich, die zum Teil noch heute Gültigkeit haben.

Erstaunlicherweise durfte auch während der nationalsozialistischen Zeit der Tango getanzt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor er seine Bedeutung. In den achtziger Jahren findet er wieder verstärkt Eingang in den Gesellschaftstanz, aufgrund neuer Schlager im Tangorhythmus und des steigenden Tanzinteresses der Jugend.

(Quelle: Tanzbibliothek, Fotos: Wikipedia)

Wer noch mehr über die Geschichte, die Wurzeln von Tanz und Musik, die Entwicklung des Tango argentino wissen will, kann hierzu noch viel in der Diplomarbeit von Christian Wernicke im Studiengang Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste Köln (Studienrichtung Instrumentalpädagogik für den Bereich Gitarre) aus dem Jahr 2003 nachlesen.

Link zu der Diplomarbeit:  http://www.musikurlaub.com/musikarchiv/tango/tango_argentino.html

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Tangoteam-Koblenz